Miniaturen

Schreibspiele

schriftSchreibarbeit. Der Text muss endlich fertig werden. Rechner an, Kaffee geholt, Morgensonne ausgesperrt, hingesetzt. Mal sehen, was ich schon habe. Nun ja, also weiter. Noch ganz schön viel Platz auf dem leeren Blatt. Heute wird es sich füllen, nichts ist wichtiger. Ich lausche der Stille, mein Blick streift durchs Zimmer. Wo lauert er, der erste Satz? Jetzt aber ernsthaft und losgelegt. Produktiv sein, die Arbeitszeit nutzen. Schon hat sie an Tempo zugelegt und galoppiert vor mir her. Komm Muse, küss mich. Schnell, es ist noch so viel zu tun. Fünf Zeilen nach der ersten Stunde – nicht gut geworden. Das funktioniert so nicht. Der Auftakt muss besser, noch einmal zurück. Schreiben ist ein zähes Geschäft. Anspannung wird spürbar, macht kribbelig. Eine kleine Pause muss her. Kurz aufstehen, auf die Straße schauen, zurück auf den Stuhl. Ich glaube, jetzt hab ich es. Der neue Absatz klingt bemüht. Kein Wunder, so verkrampft, wie ich heute bin. Das muss ich verbergen – oder ich lass es erstmal so stehen. Ich komme sonst nicht vom Fleck. Mann, ist das anstrengend. Der Blick auf die Uhr versetzt mich in Panik. Das wird heute nichts. Weiter, weiter. Mal nachlesen: Die zehn besten Tricks gegen Schreibblockaden. Was hat der Tag gebracht? Eine Zeile pro Stunde, unter Vorbehalten tauglich. Nichts also, und doch bin ich total erschöpft.

Gartenarbeit. Der Frühling springt in die Beete, ich muss etwas Platz für Blumen und Gemüse sichern. Das ist sicher schnell gemacht. Spaten, Schaufel, Harke. Es geht dem Unkraut an den Pelz. Ist hier überhaupt schon einmal umgegraben worden? Erst einmal einen Rhythmus finden, zäh geht es voran. Die gebeugte Körperhaltung ist ungewohnt. Rücken und Hände melden Protest an, noch bevor die Hälfte geschafft ist. Durchhalten, die Arbeit will erledigt sein. Aufrichten, Schultern und Kopf nach hinten, den Schweiß mit schmutzigen Händen aus dem Gesicht gewischt, weiter geht es. Mann, ist das anstrengend. Ich schaffe, was ich mir vorgenommen habe – und bin selbst geschafft.

Ein zufriedener Blick auf die hübsch geharkten Rabatten und die Blumen, die nun wieder frei durchatmen können. Schnell die staubigen Sachen aus und den Dreck abgewaschen, ich brauche eine Pause. Mein Tagwerk hat mich erschöpft, jetzt will ich etwas Zeit für mich. Ich setze mich, nehme Papier und Stift zu Hand. Ich schreibe. Die Wörter sprudeln, mit jeder neuen Zeile fällt ein Stück Anspannung von mir ab. Das fühlt sich gut an und nichts brächte mich auf die Idee, es Schreibarbeit zu nennen. Es ist ein Spiel, das sich gut und gern künftig auch an einem Vormittag spielen lassen sollte.

(c) Lutz Schafstädt 2015

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