Werkbank

Schreibtool für Puristen

Zum Schreiben braucht man wenig. Zettel und Stift, Ideen und Ruhe. Das hat sich auch seit es elektronische Schreibgeräte gibt nicht geändert. Wesentlich bleibt, sich ungestört auf den Prozess des Schreibens konzentrieren und die kreativen Kräfte fließen lassen zu können. Am Computer kann das schwer werden, doch endlich habe ich ein Schreibprogramm entdeckt, das die Bedürfnisse von Autoren wirklich ernst nimmt: WriteMonkey.

Programme für Textverarbeitung, die gern als Bestandteil von Office-Paketen daher kommen, sind wahre Ablenkungswunder. Ihre Optionen, Einstellungen und Zusatzfunktionen sind stets präsent und wer hat sich nicht schon selbst dabei ertappt, plötzlich in Formatanweisungen verheddert zu sein, wo man doch eigentlich nur ein paar klare Zeilen Text verfassen wollte. Außerdem mischen sich die Alleskönner beständig ein, korrigieren, geben Hinweise oder locken zum Thesaurus oder einer schnellen Recherche zu Wikipedia ins Internet. Gut, kann man sagen, dagegen hilft der konsequente Wille. Doch leichter wäre, die Software hielte sich bescheiden im Hintergrund und machte Platz für das Wesentliche: Ein Blatt Papier, das beschrieben werden will.

wm_logo-kWriteMonkey beschränkt sich genau darauf. Mit dem Öffnen des Programms wird der Bildschirm zum leeren Blatt, wie es nicht anders in eine Schreibmaschine eingespannt werden würde. Das Menü für die Einstellungen erscheint erst mit Klick auf die rechte Maustaste und selbst die Fußzeile des Betriebssystems ist verschwunden. WriteMonkey ist bereits mit der Installation so konfiguriert, dass sofort begonnen werden kann. Es ist wirklich überraschend angenehm, ohne jegliches Beiwerk direkt loslegen zu können. Nichts bleibt zu tun, als mit dem ersten Wort den Anfang zu machen und zu schreiben. Wer mag, kann sich dabei sogar vom Klickgeräusch einer klassischen Schreibmaschine begleiten lassen.

Mich hat WriteMonkey vom Fleck weg überzeugt. Ich neige dazu, immer mal nachzuschlagen, in Plotnotizen und Charakterbeschreibungen zu blättern. Nun weiß ich, es ist völlig unnötig, ja hinderlich, viele Dokumente gleichzeitig geöffnet zu halten. Sie führen nur von dem Gedanken, von der Szene weg, der man sich doch gerade intensiv widmen wollte. Beim ersten Entwurf ist es wichtiger, im kreativen Fluss und konzentriert zu bleiben. Man darf darauf vertrauen, dass man die wichtigen Vorüberlegungen und Fakten ohnehin im Gedächtnis hat. Ich stelle fest, dass ich schneller schreibe und viel näher am Text bin als früher. Außerdem habe ich dem Purismus noch eines drauf gesetzt. Ich habe WriteMonkey auf meinem alten XP-Laptop installiert und ihn zum ausschließlichen Schreibwerkzeug gemacht. Dafür brauche ich keinen Support von Microsoft und keine Mail, kein Tweet und kein Facebook-Post bimmelt mich aus dem Konzept.

Noch ein paar Infos zur Software selbst: Nach der Installation von WriteMonkey sollte das Programm um die deutsche Sprachdatei ergänzt werden. Es gibt auch eine deutsche Rechtschreibprüfung, doch nutze ich selbst sie nicht. Die erstellten Texte werden im txt-Format gespeichert und können problemlos zur weiteren Bearbeitung in andere Programme importiert werden. Der Vorteil des nackten Textformats liegt auf der Hand: Es liefert die Rohdaten, um später ein eBook, eine Druckvorlage oder einen Blogbeitrag daraus zu machen, ohne sich lange mit versteckten Formatbefehlen aus Word und Co. herumquälen zu müssen. Auch das empfinde ich als Arbeitserleichterung.

Wer WriteMonkey einmal testen möchte, findet die aktuellste Version hier: >> http://writemonkey.com/. Das Programm ist kostenlos zu haben.

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